1988 war für Villach ein desaströses Jahr. Das Zellstoffwerk im Stadtteil St. Magdalen, meiner Heimat, ging pleite. Für damalige Verhältnisse unvorstellbare 1,2 Milliarden Schilling versenkte die SPÖ-Landesregierung in die vermeintliche Rettung der Fabrik. In gutem Glauben, doch ohne Verstand. Am Ende waren Hunderte arbeitslos – und mein Fußballverein SC Magdalen stand ohne Sponsor da. Was in der Landesliga, deren Meister damals noch, als es keine Regionalliga gab, direkt in die 2. Division aufstieg, ein echtes Problem darstellte. Die zusammengekaufte Söldner-Kampfmannschaft löste sich in der Winterpause in Luft auf, 20 Kaderspieler verließen den Verein. Kein Geld, keine Kicker, keine Chance auf Klassenerhalt – dennoch musste die Meisterschaft fertig gespielt werden.

Also mussten wir Jungen ran. Fast die gesamte Juniorenmannschaft trat fortan, unterstützt von gerade einmal drei bis vier Routiniers, gegen regionale Giganten wie Lienz, Wolfsberg und den Slowenischen AK an.

HART, ABER HERZLOS

Ich war gelernter Außendecker. Old school. 90 Minuten Manndeckung, jeden Ball hoch nach vorne schlagen und dem gegnerischen Stürmer Schmerzen zufügen, ohne die Rote Karte zu erhalten – meine Fähigkeiten waren rasch aufgezählt. Dennoch feierte ich im Frühjahr 1989 gegen den SC Hermagor mein Debüt in der Kampfmannschaft.

Ich wurde nach 37 Minuten eingetauscht. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Gegenspieler, ein Stürmer der Kärntner Auswahl namens Ruppnig, meinen Vorgänger als Außendecker bereits schwindlig gespielt und zwei Treffer erzielt. Der Mann war gefürchtet schnell und gnadenlos vor dem Tor.

Um ehrlich zu sein: Ich war entsetzt, als ich eingewechselt wurde. Ich hatte keine Chance, das war klar. Mit 16 Jahren und null Erfahrung? Ruppnig würde mich als Nachmittagsjause verzehren…

ZWEIKAMPFSIEGER

Doch dann geschah Seltsames. In meiner Verzweiflung gelang mir alles. Ich gewann jeden Zweikampf, grätschte, rutsche, trat und foulte wie ein alter Fuchs und brachte Rupnig schließlich sogar dazu, in der 80. Minute, einigermaßen körperlich beeinträchtigt und deprimiert, das Spielfeld zu verlassen.

Hermagor hatte freilich andere Wege gefunden, uns zu schlagen. Wir verloren 0:6. Doch am nächsten Tag, als ich die Kleine Zeitung aufschlug, war ich baff, stolz und alles: als einziger Spieler des SC Magdalen war ich in fetten Lettern gedruckt. Das hieß: Der Beobachter der Zeitung hatte mein Spiel für gut befunden.

Es blieb bei diesem lächerlichen Minimum an sportlichem Ruhm. Ich wurde, zu Recht, nie wieder dick gedruckt und verlor ein paar Spiele später mein Stammleiberl. Den Ausschnitt aus der Kleinen Zeitung besitze ich heute noch.

Rares Bilddokument: Herr Kofler beim Kicken
Rares Bilddokument: Herr Kofler beim Kicken