Ich schreibe diese Zeilen am 23. Dezember und unter meinem Bett ist kein Platz mehr. Denn dort türmen sich Pakete. Weihnachtsgeschenke für meine Frau und meine Tochter. Es sind ein paar Geschenke zu viel geworden. Warum? Weil ich heuer die brillante Idee hatte, das ganze Jahr über kleine Aufmerksamkeiten zu kaufen. Hat man knapp vor dem Heiligenabend nicht so einen Stress. Sie wissen, was ich meine.

Jetzt allerdings habe ich Präsente verpackt, von denen ich mich, nach Monaten, beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, für wen sie eigentlich gedacht waren. Was schreibt man auf solche Packerl? „Wie es euch gefällt“, „Take it or leave it“, „Macht euch das selber aus“?

Gut, First-World-Problems, werden Sie zu recht raunen. Aber die Sache mit den Weihnachtsgeschenken ist generell immer wieder ein wenig holprig verlaufen.

Ich erinnere mich an eine Zeit, da werde ich circa zehn Jahre alt gewesen sein, in der ich plötzlich den Ort entdeckt hatte, an dem meine Eltern ihre Präsente für mich versteckten. Im Kasten meiner Mutter. Nicht sehr einfallsreich, muss man sagen.

Von da an war Weihnachten emotional tot. Das Playmobil Piratenschiff. Die Ritterburg. Das Kaufmannshaus. Alles herrliche Geschenke, aber halt autospoilerbedingt keine Überraschung mehr. Das Auspacken unter dem Christbaum war ein einziges unwürdiges Schauspiel. Und jedes Jahr habe ich Esel diese Farce wiederholt. Verdammte Neugier!

Ich habe meinen Eltern nie davon erzählt. Bis vor knapp zwei Jahren. Und da war es eine Art Notwehr. Weil angefangen hat meine Mutter, darauf lege ich Wert. Im Garten ihres Häuschens am Villacher Stadtrand erzählte sie plötzlich meiner Frau und mir, wie sie mich, da war ich schon ein Jugendlicher, mit Markenjeans übers Ohr gehauen hat. Weil ich unbedingt Hosen von Replay und Best Company tragen wollte. Das waren damals die Brands, die man hatte.

Deren Preis überschritten aber jenen Wert bei weitem, den meine Mutter als Hüterin der Haushaltskasse für angemessen erachtete. Und dann tat sie Folgendes: Sie trennte die Labels aus alten Markenhosen und nähte sie in Billig-Jeans. Solcherart gefakt lagen die gepimpten Dinger dann unter dem Christbaum und brachten mich zum Strahlen. Meine Mutter hatte Tränen in den Augen, als sie die Story vortrug. Tränen vor Lachen. Viele Jahre lang hatte der schäbige Trick funktioniert – und der Familie viel Geld erspart. Geld, das meine Eltern dann möglicherweise 1991 in neue Garderobe steckten, als ich nach Wien ging, um zu studieren. Auffälliger Höhepunkt war eine schwarze Lederjacke, die ich viele, viele Jahre trug. Sauteures Stück. Von Boss. Zumindest laut eingenähtem Label. Sicher bin ich mir da freilich nicht mehr.

Werbeanzeigen