Es gibt seit jeher ein paar fixe Regeln in meinem Leben. Die unverrückbaren Eckpfeiler meiner Existenz. Ich nenne hier nur die wichtigsten:

Keine Kinder.
Keine Harley Davidson.
Keine Ehe.

Ich bin dann mit 24 Jahren Vater geworden (tolle Sache!). Und bin in meinen 30ern rund 20.000 Kilometer auf einer Electra Glide durch die USA gefahren (auch nicht schlecht). Spätestens damit war klar: Kasperltheater, das alles. Das einzig Fixe in meinem Leben ist die Tatsache, dass nix fix ist.

Mooo-ment!

Da war doch noch die Sache mit der Ehe. Da aber, Damenundherren, bin ich hart geblieben. Diesbezüglich ein Rückgrat wie ein Hydrant, der Herr Kofler.

Aber warum denn, werden Sie fragen. Was spricht gegen die Ehe? Zumal, wenn man, wie ich, schon seit dem Pleistozän mit einer wunderbaren Frau an seiner Seite des Weges schreiten darf.

Ich werde es Ihnen sagen: Aus drei Gründen.

Erstens kenne ich niemanden, der – verheiratet – so glücklich ist, wie ich mit meiner Frau in all den Jahren unserer wilden, schamlosen Beziehung fernab von Trauschein und  jener körperteilverfremdeten Fußfessel, die, getarnt als Ehering, beim Juwelier für ein Schweinegeld zu erwerben ist. Viele unglücklich, viele in rechtlicher Scheidung, viele in emotionaler Scheidung, viele von Anfang an auf den Falschen hereingefallen. DAS WOLLTE ICH NICHT.

Zweitens: diese an Peinlichkeiten so reiche Prozedur der Hochzeit. Polterabend, Maut, Ehegelübde, Fotos, Tanz mit der Schwiegermutter, Wurf des Brautstraußes Richtung alter Jungfern, Brautentführung durch schwer betrunkene Verwandte, mit Konservendosen verschandeltes Auto für die Fahrt zum Flughafen, wo man endlich und viel zu spät diesen Wahnsinn hinter sich lassen kann. DAS WOLLTE ICH NICHT.

Und dann, drittens, noch die Frage nach den Institutionen. Nicht böse sein, falls Sie Hochzeiten lieben, aber wen lässt man denn mit der Ehe in sein privatestes Privatleben? Die Kirche und den Staat. Ich meine, gibts größere Ungustln? DAS WOLLTE ICH NICHT.

Also fix und ausgemacht: keine Ehe. Nie.

Bis ich mit 41 Jahren so weit war, grundsätzlich über mein Leben nachzudenken. Ich habe darüber an anderer Stelle geschrieben, vielleicht schauen Sie ja diesbezüglich einen Sprung zur Homepage von Michael Hufnagl. Ich habe nicht nur über mein Leben nachgedacht. Auch über das meiner Frau. Und über das Hobby und Risiko des Motorradfahrens. Und über die grundsätzlich immer gegebene Möglichkeit, dass einem einfach so, wenn schon nicht der gesamte Himmel, dann doch immerhin ein zu großer, zu harter Gegenstand auf den Kopf fallen könnte, woraufhin man vielleicht das eine oder andere Versäumnis bedauern würde.

Also warf ich auch meine dritte und letzte große Regel über Bord. „Am 27. Mai heiraten wir“, informierte ich meine Frau mit all der Romantik, die ich aufzubringen imstande bin. Ich wusste, dass Barbara darauf seit Mitte des Pleistozäns gewartet hatte. „Aber die Hochzeit findet zu meinen Bedingungen statt“, sagte ich.

Keine Ringe.
Keine Kirche.
Keine Trauzeugen.
Keine Angehörigen.
Keine Musik.
Keine Rede.
Keine Schwüre.
Keine nix.

Und so standen wir am 27. Mai 2014 im Standesamt des Villacher Rathauses – der Beamte, meine Tochter, meine Frau und ich. Die Prozedur dauerte sechs Minuten. Mehrere Versuche des Standesbeamten, zu salbungsvollen Worten anzusetzen, unterband ich mit einem höflich gezischten „Nein“.

Unmittelbar danach fuhren meine Frau und ich gen Italien. Es war ein wunderbarer Urlaub. Es war eine wunderbare Entscheidung zu heiraten. Es ist wunderbar zu wissen, dass man einen Partner hat, der selbst bei höchst seltsamem Verhalten keine unnötigen Fragen stellt. Und es ist eine wunderbare Erkenntnis, dass man auch über falsche Wege ans richtige Ziel gelangen kann.

IMG_0121Herr Kofler und Frau Kofler, geschätze fünf Minuten nach dem Ja-Wort. Bereits im Auto, am Weg nach Italien.

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