Es war vor der Fußball-Europameisterschaft 2008. Kärnten – eines der Austragungsbundesländer – bot alles auf, was es an Inkompetenz und Drittklassigkeit zur Verfügung hatte, um die Veranstaltung zu bewerben. Ehemalige Kellner, ausrangierte Kicker, karenzierte Bankangestellte – keiner war weit genug von der Dimension einer EM entfernt, um nicht im Vorfeld und im offiziellen Auftrag „Marketing“ zu betreiben.

So wurden auch Promi-Fußballspiele organisiert, wie jenes im Gurktal, bei dem ich dabei sein durfte. Damit ist auch schon genug zum Begriff „Promi“ gesagt. Chefredakteur eines kleinen Regional-Monatsmagazines zu sein reichte völlig aus, um noch einer der Bekannteren des Kärnten-Teams zu sein. Dschungelcamp-Syndrom quasi.

Aber egal. Die doch mehr als 1.000 Zuseher waren ohnehin nur gekommen, um unsere Gegner spielen zu sehen: das „Copa Pele Team Austria“, eine Oldie-Versammlung, die jedem heimischen Sport-Nostalgiker die Tränen in die Augen getrieben hätte. Walter Schachner, Toni Polster, Herbert Prohaska, Franz Wohlfahrt usw. Nationalteamkicker allesamt. Best of früher.

Ich war damals 36, fühlte mich höchstens wie 32 und sah dem Kick mit einer gewissen Lässigkeit entgegen. Ich hatte einst in der Landesliga gespielt – immerhin! – und war mir sicher, dass ich gegen die Altherrentruppe ein paar elegante Tricks zeigen konnte.

Es kam anders.

Ich war im Mittelfeld aufgestellt und spielte gegen Österreichs Jahrhundert-Fußballer Herbert Prohaska. Der schob ein deutlich erkennbares Bäuchlein vor sich her und wirkte insgesamt eher gemütlich. Perfekt! „Das könnte lustig werden“, lächelte ich beim Anpfiff in mich hinein.

Dann der erste Zweikampf. Gut, eigentlich war es keiner. Prohaska überdribbelte mich, ohne mich auch nur anzusehen. Während er an mir vorbeilief, rief er quer über den Platz „Toneeee!“ – und wuchtete den Ball über 40 Meter exakt auf Polsters Kopf. Tor.

Ich mache es kurz. Ich habe gegen Prohaska keinen einzigen Ball berührt. Und auch sonst blieben die Erfolgserlebnisse aus. Nach einem Pressball mit Polster etwa blieb ich minutenlang liegen. Ich war mir sicher, dass er mir das rechte Bein komplett abgerissen hat.

Oder der rückwirkend betrachtet herzige Versuch, das legendäre Raubein Toni Pfeffer zu überlaufen! Der Ex-Internationale gab mir einen ambitionierten Rempler, der mich knapp außerhalb der Seitenlinie und unmittelbar vor den Stühlen der Ehrengäste herzhaft ins Gras beißen ließ.

Und schließlich, als ich bei einem Angriff unseres Teams von Schoko Schachner (den man aus Mitleid unserer Mannschaft zugeteilt hatte) eine Maßflanke an die Strafraumgrenze erhielt, war das Spiel vorzeitig für mich beendet. Franz Wohlfahrt, der Torhüter der Gäste, einst Europacup-Held, kam mit Schwung auf mich zu und rammte mich mit seinen damals geschätzten 120 Kilo. Was heißt, er rammte mich? Er überfuhr mich. Wie eine Straßenwalze. Ich lag niedergebügelt im Gras, ähnlich einem römischen Soldaten nach einer Schlacht mit Obelix. Nur noch Nase, Kniesscheiben und Fußspitzen ragten aus dem Grün. Ich konnte nicht mehr atmen, spürte meinen Körper nicht mehr, hatte eine Art Nahtoderfahrung hinter mich gebracht.

Nach einigen Augenblicken am anderen Ende des Regenbogens taumelte ich auf, schleppte mich zur Outlinie und ließ mich auswechseln. Das Publikum bog sich vor Lachen, ich bog mich auch – vor Schmerzen.

Eine Woche später war mein linkes Bein auf den doppelten Umfang angeschwollen und brannte wie ein Jungschar-Lagerfeuer im August. Ich fuhr ins Krankenhaus und musste auch gleich drei Tage dort bleiben: Thrombose.

Die Einladung zu einem weiteren Promispiel, etliche Wochen später, schlug ich aus.

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Herr Kofler, vorne erster in Rot (von links). Weiter rechts: Schoko Schachner
Herr Kofler, vorne erster in Rot (von links). Weiter rechts: Schoko Schachner
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