Man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben. Aber es ist jetzt 17.30 Uhr des letzten Tages im Jahr 2016. Und ja, da lehne ich mich schon einmal aus dem Fenster und sage: Mir ist heuer nichts passiert. Kein Unfall. Kein Krankenhaus. Keine Operation. Nicht einmal ein eitriger Nagel. NICHTS.

Der eine oder andere mag angesicht wahrer Unfallorgien in der Vergangenheit vielleicht den Begriff Wunder strapazieren. Ich sage: I’ve had my share. Nach zwölf Operationen, ein paar körperlichen Einschränkungen, einer lästigen Invalidität, zwei fehlenden Rippen, einem lädierten Lungenflügel und einer besonders dekorativen Narbe quer über den Brustkorb ist es jetzt ganz einfach genug. Ich habe das so beschlossen, das Schicksal hält sich daran. Sehr anständig, wenn Sie mich fragen.

Und so fad war dann 2016 auch:

  • Meine Tochter hat mit ihrem Studium begonnen. Biologie ist es geworden.
  • Das Geschäft meiner Frau läuft sehr gut. Sie hat sich zu einer soliden Unternehmerin entwickelt.
  • Amy, eine bezaubernde Hündin, die niemand haben wollte, ist in unser Leben gekommen. Jeder, der einen Hund hat, weiß, wie sehr so ein Köter das Leben bereichert.
  • Meine Arbeit als Dorfreporter macht mir Spaß. Unser kleines Team ist hoch erfolgreich, alle relevanten Daten zeigen nach oben. Für Journalisten mittlerweile eine eher ungewohnte Situation.
  • Ich habe mir ein neues Motorrad gekauft, Barbara hat – nach einem bösen Crash Ende 2014 – ihre Bikerkarriere beendet. Wir haben also unterschiedliche Lehren aus unseren Unfällen gezogen. Und ja, vermutlich ist meine Frau die Klügere von uns beiden.
  • Barbara und ich waren zwei Wochen in den USA, die Tochter ein Monat in Irland.
  • Ich komme, meistens halt, mit meinem Geld aus – auch, wenn ich mir meine Ausgaben, im Unterschied zu früher (fette Jahre!), genauer überlegen muss.

Das Wichtigste aber in meiner Glücks-Bilanz: Auch 2016 haben meine Frau und ich kein einziges Mal gestritten. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann es bei uns jemals gekracht hat. Dabei müssen Sie wissen: Ich bin durchaus ein Heißläufer. Aber meine Frau, eine Mediatorin von Geburt an, hat mich im Griff. Sie entschärft die Handgranate, noch ehe sie gebaut worden ist. Keine Ahnung, wie sie das macht, ist aber Fakt.

  • OK, ein paar Kleinigkeiten waren 2016 schon. Die Tochter musste sich nach einem verunglückten Köpfler in einen Swimmingpool einer Nasenoperation unterziehen.
  • Die Reparaturarbeiten in der Wohnung, die nach einem schweren Hagelschaden nötig geworden sind, haben mir ein bis zwei Jahre meines Lebens gekostet. Und für die Reparatur meiner zweiten Wohnung, jener in Wien, bei der es ebenfalls einen groben Wasserschaden gab, dürfen Sie ein weiteres Jahr abziehen. (In meinem nächsten Leben werde ich übrigens Handwerker. Da ist die Lizenz zum Töten inkludiert. Zum Nervtöten.)

Aber sonst? Alles bestens, ein Jahr voller Zufriedenheit und Erfolg. Wenn die globale Lage nicht dermaßen konträr wäre, könnte ich mich darüber so richtig maßlos freuen. So aber werde ich es bei einem kleinen Besäufnis in der Silvesternacht belassen und verdammt dankbar dafür sein, dass meine kleine Welt derzeit heil ist.

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