Ich stand an der Bar des Hotel Imperial am Wiener Ring und trank ein Bier. Der Abend war ein Katastrophe gewesen. Geschäftstermin, viele Journalisten, Kamerateams.

Eigentlich wollte ich nichts wie nach Hause. Aber andererseits: Ich lebte ein Pendlerleben. Meine Familie war in Villach, fast 400 Kilometer entfernt. Und in meiner kleinen Wohnung in Ottakring wartete nur ein Gummibaum. Also trank ich.

Irgendwann gesellte sich Conny de Beauclair zu mir, der legendäre Türsteher der Wiener Kult-Diskothek U4. Wir kamen ins Plaudern. Irgendein Austro-Pop-Song, der im Hintergrund lief, brachte uns auf Connys Lieblingsthema: Österreichs Musikvergangenheit. Falco, Ambros, Fendrich – er hatte sie alle wirklich kennengelernt.

Er brachte ein paar lustige, harmlose Episoden. Der Abend war gerettet. Dann fragte er mich, welchen heimischen Sänger ich am liebsten hätte. Ich antwortete: Hansi Dujmic. Die Stimme, die Fähigkeiten an der Gitarre – das hatte mir immer gefallen. Ich redete mich in eine kleine Lobeshymne auf Dujmic, die damit endete, dass ich zugab, geweint zu haben, als im Radio die Nachricht kam, dass Dujmic an einer Überdosis Drogen gestorben war.

In diesem Moment drehte sich eine blonde Frau zu uns um, die hinter de Beauclair gestanden war. Sie hatte Tränen in den Augen und bedankte sich für meine Worte. Ich war seltsam berührt. Wer war diese Frau? Conny de Beauclair erkannte mein Defizit und schaltete sich ein: „Ihr kennt euch, oder?“ Ich schüttelte den Kopf. „Das ist die Brigitte, Hansis Witwe.“

Bumm. Das saß. 25 Jahre nach dem Tod von Hansi Dujmic verlor ich in einer fremden Bar ein paar Schwärmereien über den Mann – und die Frau nebenan war ausgerechnet seine Witwe…

Wir plauderten noch einige Zeit, es war ein schönes Gespräch.

Es gibt Abende, die vergisst man nie.

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