Wenige Monate, bevor meine Tochter 1997 zur Welt kam, musste ich mich einer lästigen Operation unterziehen. Es galt, eine Rippe zu entfernen. Kling einfach, war es aber nicht. Mir wurde der Brustkorb rechts auf einer Länge von 25 Zentimeter aufgeschnitten, die Narbe ist auch heute noch spektakulär. Unwissenden erzähle ich, je nach Laune, gerne vom Kampf mit einem Straßenhund in Andalusien oder vom bösartigsten Stockstich, den der Hobby-Eishockeysport je gesehen hat. Die wahre Ursache spielt keine Rolle. Also, für Sie. Für mich schon.

Man kann nicht behaupten, die Operation wäre glatt gelaufen. Wenn es so gewesen wäre, hätte man mich nicht zwei Mal operieren müssen. Doch der Chirurg war ein hochnäsiges Arschloch. Die Warnung des Radiologen, der die Voruntersuchungen erledigt hatte, dass ich, was eher selten ist, ein 13. Rippenpaar habe und der Chirurg daher sehr sorgfältig zählen möge, ehe er die defekte Rippe aus mir heraussäbelte, ließ den Primarius, der damals für Kärntner Verhältnisse ein Star war, kalt. So kalt wie der kollegiale Ratschlag, die Rippe schon vor dem Eingriff außen auf der Haut zu markieren.

Der Star-Chirurg schnitt also bei der OP munter drauflos – und entfernte die falsche Rippe. Der Eingriff musste drei Tage später wiederholt werden. Diesmal hatte der Arzt, hatte ich, mehr Glück. Theoretisch hätte die OP ja noch elf weitere Male wiederholt werden können.

Die doppelte OP-Belastung überforderte meinen Körper. Die Lunge kollabierte, das Fieber blieb viele Stunden lang bei knapp 42 Grad, es gab Komplikationen ohne Ende. Hundertprozentig sicher, dass die Sache gut ausgeht, war sich zwischendurch eigentlich keiner mehr. Jetzt wäre so ein Exitus ja an sich schon unangenehm gewesen. Ist jedoch die Lebensgefährtin gerade im 7. Monat schwanger, kommt noch eine Extraportion Drama dazu, wie ich meine.

Aber, Herr Kofler letztlich immer auf der Butterseite zugegen – und so: Happy end. Mit ein paar Einschränkungen: Der rechte Lungenflügel hat sich nie mehr so ganz erholt, ab und an neigt er zu Schmerzen, ein leichter Druck ist stets zu bemerken. Ansonsten alles bestens. Vor allem im Vergleich zu den anderen Beteiligten an den beiden Eingriffen:

* Der assistierende Arzt des ersten Eingriffes hatte knapp danach einen schweren Verkehrsunfall.

* Der assistierende Arzt des zweiten Eingriffes starb wenig später an Krebs.

* Der großartige Radiologe stürzte mit dem Privatflieger ab. Auch tot.

* Ich habe keine Ahnung, was mit den OP-Assistenten passiert ist. Ich vermute, die Pest hat sie dahingerafft. Was ich aber weiß: Der Starchirurg verlor wenig später in Folge finanzieller Malversationen seine Zulassung, Frau und Kinder gingen zum Teufel, der Mann musste das Land verlassen. Zuletzt hörte ich, er treibe in Sarajevo sein Unwesen.

Da kann man dann schon einmal ein paar Minuten über den Begriff „Fluch“ nachdenken. Und da braucht man wegen ein bisschen Lungenschmerzen nicht zu jammern, wie ich meine.

PS:

Als ich 15 Jahre später im selben Krankenhaus erneut operiert wurde, kam ein mir unbekannter Anästhesist an mein Bett. „Sie wissen“, sagte er, „dass sich alle Kollegen weigern, bei Ihrer Operation dabei zu sein. Wegen damals.“ Aber er, winkte er souverän Bedenken weg, habe keine Angst. Weil er sehe Komplikationen schon von Weitem kommen. Dabei zeigte er auf sein Auge. Es war ein Glasauge. Wir haben herzlich gelacht. Der Eingriff verlief problemlos.

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